Das Gesundheitssystem der Schweiz ist im Umbruch: Die Zunahme von chronischen Krankheiten, der Umgang mit Infektionskrankheiten, digitale Transformation und veränderte Wertegrundlagen des 21. Jahrhunderts stellen die bestehenden Strukturen und Akteure des Gesundheitssystems, nicht zuletzt die Patientinnen und Bürgerinnen, vor neue Herausforderungen.
Hier setzt der Salon Santé an und ermöglicht einen zukunftsgerichteten, interdisziplinären Dialog über künftige Rahmenbedingungen, Chancen und Herausforderungen und nachhaltige Innovation im Schweizer Gesundheitssystem.
In einer jährlichen Veranstaltung werden Themen im Rahmen eines Workshops und Ideen von Vordenkerinnen und Gestaltern vertieft. Nachfolgend finden sich die Ergebnisse.
2025: CUT THE NOISE
Mit dem Einzug der künstlichen Intelligenz und der wachsenden Dominanz sozialer Medien verändert sich der Umgang mit Gesundheit grundlegend. Informationen werden zunehmend fragmentiert sowie maschinell generiert verbreitet. Gleichzeitig eröffnet die digitale Welt die Möglichkeit zu mehr Eigenverantwortung und personalisierter Orientierung, was zu einer besseren Gesundheitskompetenz der Bevölkerung beitragen kann. Unter dem Titel CUT THE NOISE – Upgrade der Gesundheitskompetenz im Zeitalter der Informationsüberflutung widmen wir uns dieses Jahr der Frage, wie ein zukunftsorientiertes Navigationssystem im Umgang mit Gesundheit gestaltet sein muss, um Risiken zu minimieren und die Menschen dabei zu unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen.
2024: Prevention-as-a-Service
Mit dem zunehmenden Druck auf das krankheitsorientierte Gesundheitssystem wird deutlich, was schon lange angekündigt wurde: Ohne einen stärkeren Fokus auf die Erhaltung von Gesundheit statt auf die reaktive Behandlung von Krankheiten stösst die Gesundheitsversorgung an ihre Grenzen in Bezug auf Kosten und Ressourcen. Die Zunahme alters- und lebensstilbedingter chronischer Krankheiten, die auch immer mehr junge Menschen betreffen, und der Mangel an Arbeitskräften führen bereits heute zu einem Qualitätsverlust. Doch wie lässt sich Prävention jenseits von Plakatkampagnen in das bestehende System integrieren? Oder braucht es vielmehr eine „upside-down“ Parallelstruktur mit anderen Finanzierungsmodellen und Vertriebswegen – und Akteuren, die das Kernsystem entlasten?
Einerseits gilt es, unseren Alltag von der Raumgestaltung bis zur Mobilität so zu gestalten, dass Verhaltensänderungen durch Infrastruktur erleichtert werden. Andererseits zeigt sich, dass Arzneimittel eine zunehmend wichtige Rolle für das Vorbeugen von Krankheiten spielen könnten. Der Salon Santé 2024 befasste sich daher mit den Fragen, welche Anpassung der ethischen und strukturellen Grundlagen sowie der Finanzierungsmodelle dafür erforderlich sind. Im Fokus war dabei, wie ein Gesundheitssystem gestaltet werden kann, um das Stärken und Erhalten von Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen.
2023: Outsmarting Scarcity
Die Corona-Krise hat den Einfluss von Infektionskrankheiten auf das zukünftige Krankheitsspektrum und die Notwendigkeit der sozialen Integration in der Gesundheitsversorgung deutlich gemacht. Zudem wurde der Mangel an zentralen Gesundheitsressourcen wie Mundschutz und Intensivbetten aufgezeigt und der aktuelle Fachkräftemangel als wichtige Herausforderung für das Gesundheitswesen identifiziert.
In der Schweiz deuten Analysen auf strukturelle Probleme und Ineffizienzen als Ursachen für diese Engpässe hin, nicht unbedingt auf Geldmangel. Für eine nachhaltige Entwicklung des Gesundheitssystems wird eine Neuausrichtung vorgeschlagen, die Knappheit als Innovationstreiber begreift. Dazu bedarf es einer systematischen Analyse zukünftiger Bedarfe und Knappheiten sowie ganzheitlicher Gestaltungsmöglichkeiten. Unter dem Titel „Outsmarting Scarcity“ wurden an dem Salon Santé 23 Lösungsansätze für diese Herausforderungen erarbeitet.